Historisches - Barbarossa & Altenburg


Was trieb Kaiser Friedrich I. Barbarossa nach Altenburg?


Friedrich war wie alle mittelalterlichen Herrscher ein Reisekönig. D.h. nur dort, wo er sich aufhielt, konnte er sich behaupten.


Sichtbares Zeichen des Machtbereiches des Königs waren die zahlreichen Pfalzen und Burgen, die in der staufischen Zeit repräsentativ aus- und umgebaut sowie neu errichtet wurden.


Die Pfalzen waren für sich genommen allein in weiter Flur. Deswegen beabsichtigte Friedrich, seine übers Land verstreuten Besitzungen zu einem zusammenhängenden Einflussgebiet zu binden. Träger dieses Reichsterritoriums sollten neben den Pfalzen auch Städte und Reichsländer (terra imperii) sein. Um ein Exempel eines königstreuen Reichslandes seiner Auffassung nach zu bilden, zog es Friedrich in den weitestgehend unberührten Osten seines Landes. Er entschied sich für Altenburg.


Der Ort war aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage (Reichsstraße, Peter-und-Pauls-Weg, Salzstraße), seiner Anbindung an das Erzgebirge mit dessen Silberfunden (um 1168), seiner hohen Wirtschaftskraft (Getreideproduktion) und wegen seiner exklusiven Lage (Beobachtungsposten über das aufstrebenden Wettiner Geschlecht) sehr geeignet. Außerdem konnte Barbarossa auf bereits existierende Infrastrukturen (Pfalz und städtische Siedlung), ohne dabei auf die ungenügenden Machtverhältnisse Rücksicht nehmen zu müssen, aufbauen.


Bei der Bildung des Reichslandes Pleißen mit Altenburg als Zentrum handelte der König schöpferisch, durchdacht und vielschichtig. Dabei berücksichtigte er seine Erfahrungen und die modernsten Erkenntnisse jener Zeit.

Dem Pleißenland, das Gebiet beiderseits der Pleiße um Altenburg, Chemnitz, Zwickau, Leisnig und Colditz, widmete sich Friedrich I. umfassend ab 1165. Verwaltet wurde das Reichsland Pleißen vom obersten Gerichts- und Verwaltungsbeamten. Dieser Landrichter, in persona vom ansässigen Hugo von Wartha, war der Vertreter des Königs. Hier zeichnete sich ab, dass der deutsche König sich nicht mehr ausschließlich auf das personengebundene Lehnswesensystem oder gar die Familie stützen wollte, sondern zukünftig verstärkt auf kundige, treu ergebene Reichsministerialitäten (= Beamte) setzen wollte.


Um an dem Entstehungsprozess seines Reichslandes möglichst nah dran zu sein, weilte Friedrich nachweislich sieben Mal in Altenburg. Im Vergleich dazu besuchte er die einflussreichen Städte wie Worms, Regensburg oder Erfurt gerade einmal doppelt so häufig. Das zeigt, dass Altenburg im Interesse der Reichspolitik stand.


Unter Kaiser Friedrich I. wurde die damalige Siedlung, die Bartholomäisiedlung am Brühl, befestigt und ummauert. Kaufleute, Händler, Handwerker kamen aus Nah und Fern und siedelten sich im Schutze der Burg an. Pfalz und Stadt standen in einem engen Zusammenspiel, denn die Stadt und das umliegende Land bildeten die wirtschaftliche Grundlage für die aufwendige, kostspielige Hofhaltung des Königs.


Wiederum waren die Burgbewohner ein wichtiges, vermögendes Kundenklientel der ansässigen Kaufleute und Händler. Letztere genossen das Privileg einer nach Goslarer Recht modernen Stadtverfassung, wonach ausschließlich der Schultheiß den Stadtfrieden und die Rechtsprechung innerhalb der Stadt wahren durfte. Einher mit der Stadtrechtsverleihung ging die Errichtung der Münzstätte. Damit honorierte Barbarossa, der eher den ritterlichen Tugenden und dem Ehrenwort vertraute, den unaufhaltsamen Vormarsch der Geldwirtschaft.


 

 

 

 Brakteat aus der Kaiserlichen Münzstätte Altenburg um 1188

 

 

 

 

In Anbetracht seiner Erfahrungen in Asien (Kreuzzug) und Italien (Ausbruch einer Seuche im Heer Friedrichs im Jahr 1167) förderte Barbarossa den Bau eines Hospitals, das mit der Lösung von Problemen mit Krankheiten und Seuchen betraut wurde.


Für die Stadt hatte jedoch die zweite Stiftung eine längerfristige Konsequenz. Bereits bei seinem ersten Aufenthalt gab der Kaiser einen Kirchenbau in Auftrag, der sein Weltbild und seine Einblicke in jeder Beziehung wiederspiegelte, das Augustiner Chorherrenstift Unserer lieben Frauen St. Marien auf dem Berge zu Altenburg.


Dabei war der Fokus beim Bau der Kirche weniger darauf gerichtet, sich ein bleibendes Zeichen der kaiserlichen Macht zu setzen, sondern von Beginn an ein geistliches Zentrum des Pleißenlandes zu schaffen.


Die planmäßige Gestaltung und der zügige Ausbau Altenburgs im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts erforderten eine systematische Erweiterung der Stadt nach Westen und Südwesten. Anscheinend mit den baulichen Plänen seines Vaters vertraut, setzte Heinrich VI. die Entwicklung der Stadt fort. Vier Jahre nach dem letzten Aufenthalt Barbarossas in Altenburg im September 1188 fand die Ausbildung der Reichsstadt, die gegen 1130 am Brühl begann, nach etwa sechzig Jahren ihren Abschluss.


Das staufische Altenburg war ein bedeutender, florierender Handelsplatz im mitteldeutschen Raum geworden. Ausdruck dessen war der erstmals 1192 erwähnte neue Markt (novum forum), der mit seiner Fläche von 1,7 Hektar zu den größten Markplätzen der mittelalterlichen Städte gehörte. Neben ihm gab es überdies noch den Brühl, lange Zeit als „alter Markt“ bezeichnet, den Rossplan , den Kornmarkt und en Topfmarkt.

 

 

Historisches - Barbarossa in Altenburg / Aufenthalte


 

Die Itinerare (Reiseverzeichnisse) sowie die genau datierten Beurkundungen des Kaisers geben Aufschluss über dessen Aufenthalte in Altenburg, nicht jedoch über die Dauer.


1. Aufenthalt im Jahre 1165

Anfang des Jahres (Urkunde vom 26. Februar 1165) verweilte Barbarossa in Altenburg. Zu diesem Zeitpunkt fungierte die Burg in erster Linie als herrschaftliche Unterkunft. Barbarossa reiste durch das deutsche Reichsgebiet, um für Unterstützung bei seinen Vasallen für seine antipäpstliche Italienpolitik zu werben.


2. Aufenthalt im Jahre 1172

Altenburg bildete im Sommer dieses Jahres Auftakt und Schlussetappe während des erfolgreichen Polenfeldzuges.

Am 8. September 1172 wurde im Beisein Friedrichs I. durch den Bischof Udo von Naumburg das Augustinerchorherrenstift eingeweiht. Das Kloster, dessen Bau wahrscheinlich 1165 auf Geheiß Barbarossas begonnen wurde, unterstand allein dem Schutz des Königs. Von der Klosteranlage sind heute nur noch die „Roten Spitzen“ übrig geblieben.

Der zweimalige Aufenthalt in Altenburg in diesem Jahr unterstreicht die gestiegene Bedeutung des Reichslandes Pleißen mit Altenburg als Zentrum in der Reichspolitik Friedrichs I.


3. Aufenthalt im Jahre 1179

Nachdem Friedrich I. Barbarossa einen Ausgleich mit den oberitalienischen Städten erzielt hatte, konzentrierte er sich auf die Stärkung seiner Macht im Reichsgebiet. Zunehmend beschäftigte ihn und andere Reichsfürsten der generelle Aufstieg Heinrichs des Löwen. Im Jahre 1179 fand sich Barbarossa auf „Stimmenfang“ gegen seinen Vetter Heinrich der Löwe. Auf seinen Reisen durch das östliche Reichsgebiet machte Barbarossa auch Station in Altenburg.


4. Aufenthalt im Jahre 1180

Inzwischen war Altenburg ein kaiserlicher Herrschaftsort geworden, wo er Reichstage abhielt und Recht sprach.

Bei diesem Aufenthalt (September – Oktober) spitzte sich der Konflikt mit Heinrich den Löwen zu: das Reichslehen Bayern wurde diesem entzogen und neu vergeben. Auf dem Reichstag in Altenburg erhielt der königstreue Otto von Wittelsbach in einem feierlichen Akt das Herzogtum Bayern. Gleichzeitig wurde die Steiermark von Bayern getrennt und als selbständiges Herzogtum aufgewertet.


5. Aufenthalt im Jahre 1181

In der Adventszeit (Mitte November bis Mitte Dezember) hielt sich Barbarossa erneut in Altenburg auf. Dabei kam er seinen königlichen Pflichten nach. Unter anderem bestätigte der deutsche König und Kaiser dem Hospital zu Altenburg, Grund und Boden sowie eine Abgabefreiheit geschenkt zu haben.


6. Aufenthalt im Jahre 1183

Aufgrund erneuter innenpolitischer Unruhen im mitteldeutschen Raum verstärkte Friedrich I. Barbarossa seine Präsenz vorort. Er zog nach den Weihnachtsfeiertagen aus Merseburg über Altenburg weiter nach Nürnberg.


7. Aufenthalt im Jahre 1188

Friedrich I. Barbarossa steckte mitten in den Vorbereitungen des Dritten Kreuzzuges. D.h. er musste innenpolitisch für ausgeglichene Verhältnisse sorgen. Diesem Zwecke diente sein Aufenthalt im September in Altenburg.

 

 

Historisches - Staufische Zeugnisse in Altenburg


Die Roten Spitzen


 

Bei den „Roten Spitzen“ handelt es sich um die Westtürme der ganz in Backstein errichteten, ehemaligen Stiftskirche St. Marien. Diese sind der letzte Überrest der Stiftsanlage. Die Bezeichnung „Rote Spitzen“ stammt aus dem 19. Jahrhundert, im Mittelalter war das Augustiner-Chorherrenstift als Bergerkloster bekannt. An St. Marien spiegeln sich die modernsten architektonischen Entwicklungen ihrer Zeit wider. Die Roten Spitzen sind damit dem Kaiserdom in Speyer zur Seite zu stellen.

 

Das Schloss


 

Zur Zeit Friedrichs I. war der heutige Schlossberg in drei räumlich getrennte Abteilungen untergliedert. Die Unterkünfte der Burgmänner und Wachleute, der Wohnsitz des Burggrafen und der Sitz des Kaisers, also die Pfalz, waren separat. Im Laufe der Zeit gab es bauliche Veränderungen im Gebiet des Schlosses. Die „Flasche“, ein Wehr- und Fluchtturm sowie Kornspeicher, und der Hausmannsturm erinnern heute noch an die Tage Barbarossas.

 

Die Stadtmauer


 

Wie schutzbringend Stadtmauern für eine Stadt sein können, erlebte der Feldherr Friedrich I. aus erster Hand bei den zahlreichen Belagerungen italienischer Städte. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er seine Reichsstädte ebenso mit einer Wehrmauer privilegierte. Mit den Bau der Altenburger Stadtmauer wurde vermutlich um 1165 begonnen. Dabei wurde die Stadtmauer in dem heute noch nachvollziehbaren Umfang gebaut.

 

Die Staumauer mit Großem und Kleinem Teich sowie Fischhälter


 

Die Staumauer ist eines der ältesten technischen Denkmäler Deutschlands. Durch das Anstauen des Hellwiesenwassers wurde das Tal entsumpft und besiedelt. Der Teich diente zur Fischerei, trieb Mühlen an und war eine natürliche Wehranlage. Ob Friedrich I. den Teich mit der Staumauer bei seinem letzten Besuch in Altenburg schon gesehen hat, ist ungewiss. Doch war diese Anlage bei seinen Stadterweiterungsplänen bereits vorgesehen.

 

Der Marktplatz


 

Der „neue“ Markt wurde im Zuge der planmäßigen Stadterweiterung durch Friedrich I. nach 1165 angelegt. 1192 wurde der „Neue Markt“ erstmals als „novum forum“ urkundlich erwähnt.

 

Die St. Bartholomäikirche


Der Heilige Bartholomäus spielte für die Staufer eine bedeutende Rolle. So ist es nicht verwunderlich, dass Kaiser Friedrich I. Barbarossa bei seinen zahlreichen Italienfeldzügen die Bartholomäus-Reliquie auf der Tiberinsel in Rom aufsuchte und zu Teilen ins deutsche Reich bringen ließ. Bemerkenswert ist, dass Bartholomäus als Patron der Stadt Frankfurt am Main, der Ort der Königswahl, und Altenburg gilt. Diese Tatsache vermag belegen, welch hohe Bedeutung Altenburg für Barbarossa hatte.

 

Die Krypta der Bartholomäikirche


 

Nach Fertigstellung der Kirche begann der nachträgliche Einbau einer Krypta nördlich und südlich des Chores, sie wurde jedoch nie komplett zu Ende geführt.

 

Weitere Zeugnisse

 

Stadtgrundriß


 

Der Stadtgrundriss auf die planmäßige Gestaltung von Friedrich zurückzuführen. Vor dem Rathaus ist ein Relief mit der mittelalterlichen Stadtanlage zu sehen.

 

Brühl


Ältester Handelsplatz für Kaufleute und Händler.

 

Texte: Lydia Raupach / Fotos: Stadtverwaltung Altenburg